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    Breathturn into Timestead

    Page 22
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    dein Harn schwarz,

      wassergallig dein Stuhl,

      du führst,

      wie ich,

      unzüchtige Reden,

      du setzt einen Fuß vor den andern,

      legst eine Hand auf die andre,

      schmiegst dich in Ziegenfell,

      du beheiligst

      mein Glied.

      * * *

      DAS TAUBENEIGROSSE GEWÄCHS

      im Nacken:

      ein Denkspiel,

      mitrechnerisch-göttlich,

      für die Allonge-

      Perücke,

      ein Ort,

      zukunftsenthüllend,

      stahlfiberfroh,

      zur Erprobung

      des ein-

      maligen Herzstichs.

      * * *

      ANGEWINTERTES Windfeld: hier

      mußt du leben, körnig, granatapfelgleich,

      aufgeharscht von

      zu verschweigendem Vorfrost,

      den Schriftzug der Finsterung mitten

      im goldgelben Schatten – doch nie

      warst du nur Vogel und Frucht –

      der sternbespieenen

      Überschall-Schwinge,

      die du

      ersangst.

      * * *

      DRAUSSEN. Quittengelb weht

      ein Stück Halbabend von

      der driftenden Gaffel,

      die Schwüre,

      graurückig, seefest,

      rollen

      auf die Galion zu,

      eine

      Henkers-

      schlinge, legt sich die Zahl

      um den Hals der noch sicht-

      baren Figur.

      Die Segel braucht keiner zu streichen,

      ich Fahrensmann

      geh.

      * * *

      WER GAB DIE RUNDE AUS?

      Es war sichtiges Wetter, wir tranken

      und grölten den Aschen-Shanty

      auf die große Sonnwend-Havarie.

      * * *

      HEDDERGEMÜT, ich kenn

      deine wie Kleinfische wimmelnden

      Messer,

      härter als ich

      lag keiner am Wind,

      keinem wie mir

      schlug die Hagelbö durch

      das seeklar gemesserte

      Hirn.

      * * *

      KEIN NAME, der nennte:

      sein Gleichlaut

      knotet uns unters

      steifzusingende

      Hellzelt.

      * * *

      DENK DIR

      Denk dir:

      der Moorsoldat von Massada

      bringt sich Heimat bei, aufs

      unauslöschlichste,

      wider

      allen Dorn im Draht.

      Denk dir:

      die Augenlosen ohne Gestalt

      führen dich frei durchs Gewühl, du

      erstarkst und

      erstarkst.

      Denk dir: deine

      eigene Hand

      hat dies wieder

      ins Leben empor-

      gelittene

      Stück

      bewohnbarer Erde

      gehalten.

      Denk dir:

      das kam auf mich zu,

      namenwach, handwach

      für immer,

      vom Unbestattbaren her.

      Eingedunkelt

      BEDENKENLOS,

      den Vernebelungen zuwider,

      glüht sich der hängende Leuchter

      nach unten, zu uns

      Vielarmiger Brand,

      sucht jetzt sein Eisen, hört,

      woher, aus Menschenhautnähe,

      ein Zischen,

      findet,

      verliert,

      schroff

      liest sich, minutenlang,

      die schwere,

      schimmernde

      Weisung.

      * * *

      NACH DEM LICHTVERZICHT:

      der vom Botengang helle,

      hallende Tag.

      Die blühselige Botschaft,

      schriller und schriller,

      findet zum blutenden Ohr.

      * * *

      DEUTLICH, weithin, das offne

      Umklammerungszeichen,

      Entlassen die Liebenden,

      auch aus der Ulmwurzel-Haft,

      Schwarz-

      züngiges, reif, am Sterben,

      wird abermals laut, Beglänztes

      rückt näher.

      * * *

      VOM HOCHSEIL herab-

      gezwungen, ermißt du,

      was zu gewärtigen ist

      von soviel Gaben,

      Käsig-weißes Gesicht

      dessen, der über uns herfällt,

      Setz die Leuchtzeiger ein, die Leucht-

      ziffern,

      Sogleich, nach Menschenart,

      mischt sich das Dunkel hinzu,

      das du herauserkennst

      aus all diesen

      unbußfertigen, unbotmäßigen

      Spielen.

      * * *

      ÜBER DIE KÖPFE

      hinweggewuchtet

      das Zeichen, traumstark entbrannt

      am Ort, den es nannte.

      Jetzt:

      Mit dem Sandblatt winken,

      bis der Himmel

      raucht.

      * * *

      WIRFST DU

      den beschrifteten

      Ankerstein aus?

      Mich hält hier nichts,

      nicht die Nacht der Lebendigen,

      nicht die Nacht der Unbändigen,

      nicht die Nacht der Wendigen,

      Komm, wälz mit mir den Türstein

      vors Unbezwungene Zelt.

      * * *

      ANGEFOCHTENER STEIN,

      grüngrau, entlassen

      ins Enge.

      Enthökerte Glutmonde

      leuchten

      das Kleinstück Welt aus:

      das also warst du

      auch.

      In den Gedächtnislücken

      stehn die eigenmächtigen Kerzen

      und sprechen Gewalt zu.

      * * *

      EINGEDUNKELT

      die Schlüsselgewalt.

      Der Stoßzahn regiert,

      von der Kreidespur her,

      gegen die Welt-

      sekunde.

      * * *

      FÜLL DIE ÖDNIS in die Augensäcke,

      den Opferruf, die Salzflut,

      komm mit mir zu Atem

      und drüber hinaus.

      * * *

      EINBRUCH des Ungeschiedenen

      in deine Sprache,

      Nachtglast,

      Sperrzauber, stärker.

      Von fremdem, hohem

      Flutgang unterwaschen

      dieses

      Leben.

      * * *

      MIT UNS, den

      Umhergeworfenen, dennoch

      Fahrenden:

      der eine

      unversehrte,

      nicht usurpierbare,

      aufständische

      Gram.

      Lichtzwang

      I

      HÖRRESTE, SEHRESTE, im

      Schlafsaal eintausendundeins,

      tagnächtlich

      die Bären-Polka:

      sie schulen dich um,

      du wirst wieder

      er.

      * * *

      IHN RITT DIE NACHT, er war zu sich gekommen,

      der Waisenkittel war die Fahn,

      kein Irrlauf mehr,

      es ritt ihn grad –

      Es ist, es ist,

      als stünden im Liguster die Orangen,

      als hätt der so Gerittene nichts an

      als seine

      erste

      muttermalige, ge-

      heimnisgesprenkelte

      Haut.

      * * *

      MUSCHELHAUFEN: mit

      der Geröllkeule fuhr ich dazwischen,

      den Flüssen folgend in die ab-

      schmelzende Eis-

      heimat,

      zu ihm, dem nach wessen

      Zeichen zu ritzenden

      Feuerstein im

      Zwergbirkenhauch.

      Lemminge wühlten.


      Kein Später.

      Keine

      Schalenurne, keine

      Durchbruchscheibe,

      keine Sternfuß-

      Fibel.

      Ungestillt,

      unverknüpft, kunstlos,

      stieg das Allverwandelnde langsam

      schabend

      hinter mir her.

      * * *

      MIT DER ASCHENKELLE GESCHÖPFT

      aus dem Seinstrog,

      seifig, im

      zweiten

      Ansatz, auf-

      einanderhin,

      unbegreiflich geatzt jetzt,

      weit

      außerhalb unser und schon – weshalb? –

      auseinandergehoben,

      dann (im dritten

      Ansatz?) hinters

      Horn geblasen, vor das

      stehende

      Tränentrumm,

      einmal, zweimal, dreimal,

      aus unpaariger,

      knospend-gespaltener,

      fahniger

      Lunge.

      * * *

      MIT MIKROLITHEN gespickte

      schenkend-verschenkte

      Hände.

      Das Gespräch, das sich spinnt

      von Spitze zu Spitze,

      angesengt von

      sprühender Brandluft.

      Ein Zeichen

      kämmt es zusammen

      zur Antwort auf eine

      grübelnde Felskunst.

      * * *

      IN DIE NACHT GEGANGEN, helferisch,

      ein stern-

      durchlässiges Blatt

      statt des Mundes:

      es bleibt

      noch etwas wild zu vertun,

      bäumlings.

      * * *

      WIR LAGEN

      schon tief in der Macchia, als du

      endlich herankrochst.

      Doch konnten wir nicht

      hinüberdunkeln zu dir:

      es herrschte

      Lichtzwang.

      * * *

      TRETMINEN auf deinen linken

      Monden, Saturn.

      Scherbenversiegelt

      die Umlaufbahnen dort draußen.

      Es muß jetzt der Augenblick sein

      für eine gerechte

      Geburt.

      * * *

      WER SCHLUG SICH ZU DIR?

      Der lerchengestaltige

      Stein aus der Brache.

      Kein Ton, nur das Sterbelicht trägt

      an ihm mit.

      Die Höhe

      wirbelt sich

      aus, heftiger noch

      als ihr.

      * * *

      ABGLANZBELADEN, bei den

      Himmelskäfern,

      im Berg.

      Den Tod,

      den du mir schuldig bliebst, ich

      trag ihn

      aus.

      * * *

      FREIGEGEBEN auch dieser

      Start.

      Bugradgesang mit

      Corona.

      Das Dämmerruder spricht an,

      deine wach-

      gerissene Vene

      knotet sich aus,

      was du noch bist, legt sich schräg,

      du gewinnst

      Höhe.

      * * *

      BAKEN-

      sammler, nächtlings,

      die Hucke voll,

      am Fingerende den Leitstrahl,

      für ihn, den einen an-

      fliegenden

      Wortstier.

      Baken-

      meister.

      * * *

      AUS VERLORNEM Gegossene du,

      maskengerecht,

      die Lid-

      falte entlang

      mit der eignen

      Lidfalte dir nah sein,

      die Spur und die Spur

      mit Grauem bestreun,

      endlich, tödlich.

      * * *

      WAS UNS

      zusammenwarf,

      schrickt auseinander,

      ein Weltstein, sonnenfern,

      summt.

      * * *

      II

      EINMAL, der Tod hatte Zulauf,

      verbargst du dich in mir.

      * * *

      BEILSCHWÄRME

      über uns,

      Gespräche

      mit Tüllenäxten im Tiefland –

      Inselflur du,

      mit der dich

      übernebelnden

      Hoffnung.

      * * *

      VORGEWUSST blutet

      zweimal hinter dem Vorhang,

      Mitgewußt

      perlt

      * * *

      BEI BRANCUSI, ZU ZWEIT

      Wenn dieser Steine einer

      verlauten ließe,

      was ihn verschweigt:

      hier, nahebei,

      am Humpelstock dieses Alten,

      tät es sich auf, als Wunde,

      in die du zu tauchen hättst,

      einsam,

      fern meinem Schrei, dem schon mit-

      behauenen, weißen.

      * * *

      WO ICH mich in dir vergaß,

      wardst du Gedanke,

      etwas

      rauscht durch uns beide:

      der Welt erste

      der letzten

      Schwingen,

      mir wächst

      das Fell zu überm

      gewittrigen

      Mund,

      du

      kommst nicht

      zu

      dir.

      * * *

      SEIT LANGEM bestiegener Schlammkahn.

      Ein ab-

      gesprungener

      Knopf

      tüftelt an jeder Ranunkel,

      die Stunde, die Kröte,

      hebt ihre Welt aus den Angeln.

      Wenn ich die Karrenspur fräße,

      wär ich dabei.

      * * *

      TODTNAUBERG

      Arnika, Augentrost, der

      Trunk aus dem Brunnen mit dem

      Sternwürfel drauf,

      in der

      Hütte,

      die in das Buch

      – wessen Namen nahms auf

      vor dem meinen? –,

      die in dies Buch

      geschriebene Zeile von

      einer Hoffnung, heute,

      auf eines Denkenden

      kommendes

      Wort

      im Herzen,

      Waldwasen, uneingeebnet,

      Orchis und Orchis, einzeln,

      Krudes, später, im Fahren,

      deutlich,

      der uns fährt, der Mensch,

      der’s mit anhört,

      die halb-

      beschrittenen Knüppel-

      pfade im Hochmoor,

      Feuchtes,

      viel.

      * * *

      SINK mir weg

      aus der Armbeuge,

      nimm den Einen

      Pulsschlag mit,

      verbirg dich darin,

      draußen.

      * * *

      JETZT, da die Betschemel brennen,

      eß ich das Buch

      mit allen

      Insignien.

      * * *

      EINEM BRUDER IN ASIEN

      Die selbstverklärten

      Geschütze

      fahren gen Himmel,

      zehn

      Bomber gähnen,

      ein Schnellfeuer blüht,

      so gewiß wie der Frieden,

      eine Handvoll Reis

      erstirbt als dein Freund.

      * * *

      ANGEREMPELT beim Wahngang

      von einem, der las:

      Grind und Schorf. Schorf und Grind.

      In die Schlafgrätsche gehn, o einmal.

      * * *

      WIE DU dich ausstirbst in mir:

      noch im letzten

      zerschlissenen

      Knoten Atems

      steckst du mit einem

      Splitter

      Leben.

      * * *

      HIGHGATE

      Es geht ein Engel durch die Stube –:

      du, dem unaufgeschlagenen Buch nah,

      sprichst mich

      wiederum los.

      Zweimal
    findet das Heidekraut Nahrung.

      Zweimal erblaßts.

      * * *

      BLITZGESCHRECKT, unverwandelt, kaum

      gesträubt:

      Géricaults

      Pferd,

      schon

      von deinen Nadelblicken geheilt

      über und über.

      Noch hier in diesem

      Gewitter

      reitest du’s zu.

      Ein Trittstein, noch fern deinem Fuß,

      winkt mit der einen

      rötlichen

      Strähne aus meinem Bart.

      * * *

     


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