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    Breathturn into Timestead

    Page 23
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      III

      WURFSCHEIBE, mit

      Vorgesichten besternt,

      wirf dich

      aus dir hinaus.

      * * *

      KLOPF die

      Lichtkeile weg:

      das schwimmende Wort

      hat der Dämmer.

      * * *

      DIE ENTSPRUNGENEN

      Graupapageien

      lesen die Messe

      in deinem Mund.

      Du hörsts regnen

      und meinst, auch diesmal

      sei’s Gott.

      * * *

      IN DEN DUNKELSCHLÄGEN erfuhr ichs:

      du lebst auf mich zu, dennoch,

      im Steigrohr,

      im

      Steigrohr.

      * * *

      STREUBESITZ, staub-

      unmittelbar.

      Abend um Abend schweben

      die den Gedanken entzognen

      Botschaften ein,

      königshart, nachthart,

      in die Hände der Klage-

      vögte:

      aus dem Knick

      ihrer Lebens-

      linien

      tritt lautlos die Antwort:

      der eine ewige

      Tropfen

      Gold.

      * * *

      DER VON DEN UNBESCHRIEBENEN

      Blättern

      abgelesene Brief,

      der Totstell-Reflexe

      grausilberne Kette darauf,

      gefolgt von drei silbernen

      Takten.

      Du weißt: der Sprung

      geht über dich, immer.

      * * *

      SCHNEID DIE GEBETSHAND

      aus

      der Luft

      mit der Augen-

      schere,

      kapp ihre Finger

      mit deinem Kuß:

      Gefaltetes geht jetzt

      atemberaubend vor sich.

      * * *

      WAS ES AN STERNEN BEDARF,

      schüttet sich aus,

      deiner Hände laubgrüner Schatten

      sammelt es ein,

      freudig zerbeiß ich

      das münzenkernige

      Schicksal.

      * * *

      ICH KANN DICH NOCH SEHEN: ein Echo,

      ertastbar mit Fühl-

      wörtern, am Abschieds-

      grat.

      Dein Gesicht scheut leise,

      wenn es auf einmal

      lampenhaft hell wird

      in mir, an der Stelle,

      wo man am schmerzlichsten Nie sagt.

      * * *

      LAUTER

      Einzelkinder

      mit leisen, moorigen

      Muttergerüchen im Hals,

      zu Bäumen – zu Schwarz-

      erlen – erkoren,

      duftlos.

      * * *

      IM LEEREN

      wo sich die Kuttel rankt

      mit der Bregen-

      Blüte,

      warf ich mich Steinen zu,

      die fingen mich auf

      und bekrönten ein Rund

      mit dem, was ich wurde.

      * * *

      DIE LEHMIGEN OPFERGÜSSE,

      von Schnecken umkrochen:

      das Bild der Welt,

      dem Himmel entgegengetragen

      auf einem Brombeerblatt.

      * * *

      DAS WILDHERZ, verhäuslicht

      vom halbblinden Stich

      in die Lunge,

      Veratmetes sprudelt,

      langsam, blutunterwaschen

      konfiguriert sich

      das selten verheißne

      rechte

      Neben-

      leben.

      * * *

      IV

      DIE EWIGKEITEN fuhren

      ihm ins Gesicht und drüber

      hinaus,

      langsam löschte ein Brand

      alles Gekerzte,

      ein Grün, nicht von hier,

      umflaumte das Kinn

      des Steins, den die Waisen

      begruben und wieder

      begruben.

      * * *

      HERZSCHALL-FIBELN, eingezäunt,

      das Kranichpaar

      denkt sich dir vor,

      aspektral

      verschenkt sich das Licht deiner Blume,

      dem Fangbein der Mantis

      begegnet dein über-

      sterniges

      Immer.

      * * *

      ANEINANDER

      müde geworden,

      randgängerisch,

      mündig,

      Luft

      schaufelt sich zu, auch

      Wasser,

      die Kartenschlägerin klebt

      erschlagen hinterm

      Herz-As.

      * * *

      EIN EXTRA-SCHLAG NACHT

      ist das Teil

      des von fernher un-

      versehrt

      gefangengenommenen

      Sohnes.

      Eine Stimme, inmitten,

      erkräht ein Gesicht.

      * * *

      HINTER FROSTGEBÄNDERTEN KÄFERN

      ballert das fahrende

      Leuchtglück,

      eine hilflose

      Bauchfratze, Freund,

      schläfert dich

      ein.

      * * *

      DIE IRIN, die abschiedsgefleckte,

      beliest deine Hand,

      schneller als

      schnell.

      Ihrer Blicke Bläue durchwächst sie,

      Verlust und Gewinn

      in einem:

      du,

      augenfingrige

      Ferne.

      * * *

      DIE MIR HINTERLASSNE

      balkengekreuzte

      Eins:

      an ihr soll ich rätseln,

      während du, im Rupfengewand,

      am Geheimnisstrumpf strickst.

      * * *

      VERWORFENE, not-

      freundliche,

      kunkelbeinige

      Göttin:

      Wo du dich auftust, im Kniesitz,

      dreht sich ein wissendes Messer

      um seine Achse,

      im Gegenblut-

      Sinn.

      * * *

      FERTIGUNGS-

      HALLE:

      Blendeffekte, im Dämmer,

      – auf dir, denk,

      ruhte die heilende Hand unterm auf-

      zuckenden Schein –

      das Schutzwort

      im Überdruckhelm,

      ein Zeichen im Satz

      als Frischluftgerät.

      Schweißung der Seelen, Kurzlicht.

      In den Boxen:

      Beatmung

      des reimigen, schönen

      Metallbalgs.

      * * *

      IN DER BLASENKAMMER erwacht

      das Entatmete, der

      gefährliche Keimling,

      an seinem Krater-

      ende

      springt das Drittauge auf

      und speit

      Porphyr, auch

      Pein.

      * * *

      MAGNETISCHE BLÄUE im Mund,

      erkeuchst du Pol um Pol,

      gesömmerter Schnee

      wirft sich drüber,

      bald hängt der taumlige Star

      im doppelten Liedschwarm.

      * * *

      VORFLUT

      kämmt deine Algen zusammen,

      legt sie

      um dich.

      Eingedämmt wuchert,

      was du noch hast.

      Ein weißer Stirnsplitter geht

      für dich über die Grenze.

      * * *

      DIE MANTIS, wieder,

      im Nacken des Worts,

      in das du geschlüpft warst –,

      muteinwärts

      wandert der Sinn,

      sinneinwärts

      der Mut.

      * * *

      KEIN HALBHOLZ mehr, hier

      in den Gipfelhängen,

      kein mit-

      sprechender

      Thymian.

      Grenzschnee und sein

      die Pfähle und deren

      Wegweiser-Schatten


      aushorchender, tot-

      sagender

      Duft.

      * * *

      SCHWIMMHÄUTE zwischen den Worten,

      ihr Zeithof –

      ein Tümpel,

      Graugrätiges hinter

      dem Leuchtschopf

      Bedeutung.

      * * *

      ANREDSAM

      war die ein-

      flüglig schwebende Amsel,

      über der Brandmauer, hinter

      Paris, droben,

      im

      Gedicht.

      * * *

      V

      ORANIENSTRASSE 1

      Mir wuchs Zinn in die Hand,

      ich wußte mir nicht

      zu helfen:

      modeln mochte ich nicht,

      lesen mocht es mich nicht –

      Wenn sich jetzt

      Ossietzkys letzte

      Trinkschale fände,

      ließ ich das Zinn

      von ihr lernen,

      und das Heer der Pilger-

      stäbe

      durchschwiege, durchstünde die Stunde.

      * * *

      BRUNNEN-

      artig

      ins Verwunschne getieft,

      mit doppelt gewalmten

      Tagträumen drüber,

      Quader-

      ringe

      um jeden Hauch:

      die Kammer, wo ich dich ließ, hockend,

      dich zu behalten,

      das Herz befehligt

      den uns leise bestrickenden Frost

      an den geschiedenen

      Fronten,

      du wirst keine Blume sein

      auf Urnenfeldern

      und mich, den Schriftträger, holt

      kein Erz aus der runden

      Holz-Lehm-Hütte, kein

      Engel.

      * * *

      MIT TRAUMANTRIEB auf der Kreisbahn,

      an-

      geschwelt,

      zwei Masken statt einer,

      Planetenstaub in den gehöhlten

      Augen,

      nachtblind, tagblind,

      weltblind,

      die Mohnkapsel in dir

      geht irgendwo nieder,

      beschweigt

      einen Mitstern,

      die schwimmende Trauerdomäne

      vermerkt einen weiteren Schatten,

      es helfen dir alle,

      der Herzstein durchstößt seinen Fächer,

      keinerlei

      Kühle,

      es helfen dir alle,

      du segelst, verglimmst und verglost,

      Augenschwärme passieren die Enge,

      ein Blutkloß schwenkt ein auf die Bahn,

      Erdschwärme sprechen dir zu,

      das Wetter im All

      hält Ernte.

      * * *

      FÜR DEN LERCHENSCHATTEN

      brachgelegt das Verborgne,

      un-

      verhärtet

      eingebracht die erfahrene

      Stille, ein Acker, inslig,

      im Feuer,

      nach der

      abgesättigten Hoffnung,

      nach allem

      abgezweigten Geschick:

      die unbußfertig ersungenen

      Moosopfer, wo du

      mich suchst, blindlings.

      * * *

      DER DURCHSCHNITTENE Taubenkordon,

      die gesprengten

      Blütengewalten,

      die tatverdächtige

      Fundsache Seele.

      * * *

      FAHLSTIMMIG, aus

      der Tiefe geschunden:

      kein Wort, kein Ding,

      und beider einziger Name,

      fallgerecht in dir,

      fluggerecht in dir,

      wunder Gewinn

      einer Welt.

      * * *

      SCHALLTOTES SCHWESTERGEHÄUS,

      laß die Zwerglaute ein,

      die ausgefragten:

      sie mummeln das Großherz zusammen

      und tragen es huckepack zu

      jeder Not, jeder Not.

      * * *

      WETTERFÜHLIGE HAND,

      die Moorlache weist ihr den Weg,

      nachts, durch den Bruchwald.

      Lumineszenz.

      Wer jetzt die Bälge der Torforgel tritt, ein-

      beinig, der

      gewinnt einen Starkstrahl

      Verlust.

      * * *

      IM ZEITWINKEL SCHWÖRT

      die entschleierte Erle

      still vor sich hin,

      auf dem Erdrücken, handspannenbreit,

      hockt die durchschossene

      Lunge,

      an der Flurgrenze pickt

      die Flügelstunde das Schneekorn

      aus dem eigenen Steinaug,

      Lichtbänder stecken mich an,

      Kronschäden flackern.

      * * *

      AUCH MICH, den wie du Geborenen, hält keine Hand,

      und keine wirft mir ein Glück in die Stunde, nicht anders als dir,

      dem wie ich in Stierblut Getauchten,

      doch stehen die Zahlen bereit, der Träne zu leuchten,

      die in die Welt schnellt

      aus unserm Nabel,

      doch geht in die große Silbenschrift ein,

      was uns nah kam, einzeln,

      und die Mandelhode

      gewittert

      und blüht.

      * * *

      DIE RÜCKWÄRTSGESPROCHENEN

      Namen, alle,

      der äußerste, zum

      König gewiehert

      vor Rauhreifspiegeln,

      umlagert, umstellt

      von Mehrlingsgeburten,

      der Zinnenriß durch ihn,

      der dich Vereinzelten

      mitmeint.

      * * *

      ALLMÄHLICH CLOWNGESICHTIG,

      nichtsgespiegelt,

      die Schminke Wahrheit blaugefrorn

      im Winkelmund,

      Frostpollen Puder auf dem blanken Überschädel,

      rund um die dünne Fragelocke Schwarz,

      die Brauen, Brauen: wachsend,

      zwei Riesenfühlerkämme, zwei,

      – du großgestrählte,

      großgespürte Rauhnacht Immerimmer –,

      schon fortgeschwungen aus der Flocke Welt,

      nicht hin, nicht her.

      * * *

      SPERRTONNENSPRACHE, Sperrtonnenlied.

      Die Dampfwalze wummert

      die zweite

      Ilias

      ins aufgerissene

      Pflaster,

      sandgesäumt

      staunen die alten

      Bilder sich nach, in die Gosse,

      ölig verbluten die Krieger

      in Silberpfützen, am Straßen-

      rand, tuckernd,

      Troja, das staubbekrönte,

      sieht ein.

      * * *

      UNTER DER FLUT

      fliegen, an

      gehöhten schwarzen

      Opfersteinen vorbei,

      die unendlich geerdete Schwermut

      in den

      Fahrwerkschächten,

      berauschte Flugschreiber im

      Sehnsuchtsgehänge,

      künftige Fundstücke, silbrig,

      im

      schädligen Cockpit,

      Sichttunnels, in

      den Sprachnebel geblasen,

      Selbstzündblumen

      an allen Kabeln,

      im großen, unausgefahrenen

      Felgenring deinen

      genabten Schatten,

      Saturn.

      * * *

      VI

      WAHNGÄNGER-AUGEN: in euch

      münden die übrigen Blicke.

      Eine einzige

      Flut

      schwillt an.

      Bald glänzt ihr

      den Felsen zutode, auf den sie

      gesetzt

      haben, wider

      sich selbst.

      * * *

      SPERRIGES MORGEN,

      ich beiße mich in dich, ich schweige mich an dich,

      wir tönen,

      allein,

      pastos

      vertropfen die Ew
    igkeitsklänge,

      durchquäkt

      von heutigem

      Gestern,

      wir fahren,

      groß

      nimmt uns der letzte

      Schallbecher auf:

      den beschleunigten Herzschritt

      draußen

      im Raum,

      bei ihr, der Erd-

      achse.

      * * *

      MERKBLÄTTER-SCHMERZ,

      beschneit, überschneit:

      in der Kalenderlücke

      wiegt ihn, wiegt ihn

      das neugeborene

      Nichts.

     


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