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    Breathturn into Timestead

    Page 21
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      lang vor der Zeit,

      laß ich die Gläserwelt – und nicht nur sie –

      Revue passieren

      und roll mich in ein steifes Segel, mastenstark,

      die Enden tief im Hohlzahn eines Ankers,

      und leg mir einen Nabel zu, zwischen den Mitten,

      aus unter fetten Sternen

      in der gerunzelten Flut,

      die sie um-eist,

      rotgehurtem

      Kork.

      * * *

      SCHIEF,

      wie uns allen,

      sitzt dir die Eine

      Hörklappe auf,

      frei,

      und das Gehörlose an dir,

      drüben, beim Schläfenfirn,

      blüht sich jetzt aus, mit Narren-

      schellen an jedem

      Kelchblatt.

      * * *

      DIE HERZSCHRIFTGEKRÜMELTE Sichtinsel

      mittnachts, bei kleinem

      Zündschlüsselschimmer.

      Es sind zuviel

      zielwütige Kräfte

      auch in dieser

      scheinbar durchsternten

      Hochluft.

      Die ersehnte Freimeile

      prallt auf uns auf.

      * * *

      UNVERWAHRT.

      Schräggeträumt aneinander.

      Das Öl rings –

      verdickt.

      Mit ausgebeulten Gedanken

      fuhrwerkt der Schmerz.

      Die koppheistergegangene Trauer.

      Die Schwermut, aufs neue geduldet,

      pendelt sich ein.

      * * *

      DAS UNBEDINGTE GELÄUT

      hinter all der gemanschten Tristesse.

      Hilfsgestänge, gedrungen,

      im zeitgeschwärzten Emblem.

      Frostfurchen der

      Devise entlang.

      All das bei halbem

      Muttermal-Licht.

      * * *

      DIE EWIGKEIT altert: in

      Cerveteri die

      Asphodelen

      fragen einander weiß.

      Mit mummelnder Kelle,

      aus den Totenkesseln,

      übern Stein, übern Stein,

      löffeln sie Suppen

      in alle Betten

      und Lager.

      * * *

      SPÄT. Ein schwammiger Fetisch

      beißt sich die Zapfen vom Christbaum,

      aufgerauht von

      Frostsprüchen

      hüpft ein Wunsch ihnen nach,

      das Fenster fliegt auf, wir sind draußen,

      nicht ebenzubringen

      der Hubbel Dasein,

      eine kopflastige,

      tiefenfreudige Wolke

      kutschiert uns auch darüber

      hin.

      * * *

      DIE SÄMLINGE – causa secunda – pachten

      das übergewisse

      pupillenhörige

      Nichts,

      das deine – warum nur? – auch heute

      hochzuckende Braue

      noch säumt, wenn ich hinseh,

      um des darunter

      veilleicht noch zu leistenden

      Augenschwurs willen.

      * * *

      DIE HÜGELZEILEN ENTLANG

      die niedlichen Streckfoltern zwischen

      Bäumchen und Bäumchen,

      geißblattumrankt,

      Dum-dum-Horizonte, davor,

      vertausendfacht, ja,

      dein

      Hör-Silber,

      Spinett,

      Tagnacht voll schwirrender Lungen,

      die

      entzweigten Erzengel schieben

      hier Wache.

      * * *

      KOMM, wir löffeln

      Nervenzellen

      – die Entengrütze, multipolar,

      der leergeleuchteten Teiche –

      aus den

      Rauten-

      gruben.

      Zehn Fasern ziehn

      aus den noch erreichbaren Zentren

      Halberkennbares nach.

      * * *

      ENTSCHLACKT, entschlackt.

      Wenn wir jetzt Messer wären,

      blankgezogen wie damals

      im Laubengang zu Paris, eine Augenglut lang,

      der arktische Stier

      käme gesprungen

      und bekrönte mit uns seine Hörner

      und stieße zu, stieße zu.

      * * *

      SEELENBLIND, hinter den Aschen,

      im heilig-sinnlosen Wort,

      kommt der Entreimte geschritten,

      den Hirnmantel leicht um die Schultern,

      den Gehörgang beschallt

      mit vernetzten Vokalen,

      baut er den Sehpurpur ab,

      baut ihn auf.

      * * *

      ANRAINERIN Nacht.

      Zwerg- und riesenwüchsig, je

      nach dem Schnitt in der Fingerbeere,

      nach dem,

      was aus ihm tritt.

      Überäugig zuweilen,

      wenn bikonkav

      ein Gedanke hinzugetropft kommt,

      nicht von ihr her.

      * * *

      MÖWENKÜKEN, silbern,

      betteln den Altvogel an:

      den Rotfleck am Unter-

      schnabel, der gelb ist.

      Schwarz – eine Kopf-

      attrappe führt es dir vor –

      wär ein stärkerer Reiz. Auch Blau

      ist wirksam, doch nicht

      die Reizfarbe machts:

      es muß eine

      Reizgestalt sein, eine ganze,

      komplett

      konfiguriert,

      ein vorgegebenes Erbe.

      . . . . . . . . . . . .

      Freund,

      teerübergoßner Sackhüpfer du,

      auch hier, auf diesem

      Gestade gerätst du

      beiden, Zeit und Ewigkeit, in die

      falsche

      Kehle.

      * * *

      IV

      IRISCH

      Gib mir das Wegrecht

      über die Kornstiege zu deinem Schlaf,

      das Wegrecht

      über den Schlafpfad,

      das Recht, daß ich Torf stechen kann

      am Herzhang,

      morgen.

      * * *

      DIE STRICKE, salzwasserklamm:

      der weiße

      Großknoten – diesmal

      geht er nicht auf.

      Auf der Schütte Seegras daneben,

      im Ankerschatten,

      neckt ein Name das

      entzwillingte

      Rätsel.

      * * *

      TAU. Und ich lag mit dir, du, im Gemülle,

      ein matschiger Mond

      bewarf uns mit Antwort,

      wir bröckelten auseinander

      und bröselten wieder in eins:

      der Herr brach das Brot,

      das Brot brach den Herrn.

      * * *

      ÜPPIGE DURCHSAGE

      in einer Gruft, wo

      wir mit unsern

      Gasfahnen flattern,

      wir stehn hier

      im Geruch

      der Heiligkeit, ja.

      Brenzlige

      Jenseitsschwaden

      treten uns dick aus den Poren,

      in jeder zweiten

      Zahn-

      karies erwacht

      eine unverwüstliche Hymne.

      Den Batzen Zwielicht, den du uns reinwarfst,

      komm, schluck ihn mit runter.

      * * *

      AUSGEROLLT dieser Tag:

      der vieltausendjährige Teig

      für den späteren

      Hunnenfladen,

      ein ebensoalter

      Kiefer, leicht verschlammt,

      gedenkt aller Frühzeit

      und bleckt gegen sie und sich selber,

      Huf-

      schläge des Vorgetiers zum

      Hefen-Arioso:

      es geht, fladenschön-singbares Wachstum,

      immer noch aufwärts,

      ein schatten-

      loser Geist, ent-

      einsamt, ein

     
    ; unsterblicher,

      bibbert

      selig.

      * * *

      ÖLIG still

      schwimmt dir die Würfel-Eins

      zwischen Braue und Braue,

      hält hier

      inne, lidlos,

      schaut mit.

      * * *

      IHR MIT DEM

      im Dunkelspiegel Geschauten,

      du Einer

      mit der erblickten

      stofflosen Leuchtspiegelfläche zuinnerst:

      durchs zehn-

      türmige Wüstentor tritt

      euer Boten-Selbst vor euch, steht,

      einen Dreivokal lang,

      in der hohen

      Röte,

      als wär das Volk in den Fernen

      abermals um euch geschart.

      * * *

      AUS ENGELSMATERIE, am Tag

      der Beseelung, phallisch

      vereint im Einen

      – Er, der Belebend-Gerechte, schlief dich mir zu,

      Schwester –, aufwärts

      strömend durch die Kanäle, hinauf

      in die Wurzelkrone:

      gescheitelt

      stemmt sie uns hoch, gleich-ewig,

      stehenden Hirns, ein Blitz

      näht uns die Schädel zurecht, die Schalen

      und alle

      noch zu zersamenden Knochen:

      vom Osten gestreut, einzubringen im Westen, gleich-ewig –,

      wo diese Schrift brennt, nach dem

      Dreivierteltod, vor

      der herumwälzenden Rest-

      seele, die sich

      vor Kronenangst krümmt,

      von urher.

      * * *

      DIE FREIGEBLASENE LEUCHTSAAT

      in den unter Weltblut

      stehenden Furchen.

      Eine Hand mit dem Schimmer des Urlichts

      wildert jenseits

      der farnigen Dämme:

      als hungerte noch

      irgendein Magen,

      als flügelte noch

      irgendein zu

      befruchtendes Aug.

      * * *

      KLEIDE DIE WORTHÖHLEN AUS

      mit Pantherhäuten,

      erweitere sie, fellhin und fellher,

      sinnhin und sinnher,

      gib ihnen Vorhöfe, Kammern, Klappen

      und Wildnisse, parietal,

      und lausch ihrem zweiten

      und jeweils zweiten und zweiten

      Ton.

      * * *

      DIE HOCHWELT – verloren, die Wahnfahrt, die Tagfahrt.

      Erfragbar, von hier aus,

      das mit der Rose im Brachjahr

      heimgedeutete Nirgends.

      * * *

      DIE BRABBELNDEN

      Waffen-

      pässe.

      Auf der übersprungenen

      Stufe

      räkeln sich die

      Sterbereien.

      * * *

      … AUCH KEINERLEI

      Friede.

      Graunächte, vorbewußt-kühl.

      Reizmengen, otterhaft,

      auf Bewußtseinsschotter

      unterwegs zu

      Erinnerungsbläschen.

      Grau-in-Grau der Substanz.

      Ein Halbschmerz, ein zweiter, ohne

      Dauerspur, halbwegs

      hier. Eine Halblust.

      Bewegtes, Besetztes.

      Wiederholungszwangs-

      Camaïeu.

      * * *

      NAH, IM AORTENBOGEN,

      im Hellblut:

      das Hellwort.

      Mutter Rahel

      weint nicht mehr.

      Rübergetragen

      alles Geweinte.

      Still, in den Kranzarterien,

      unumschnürt:

      Ziw, jenes Licht.

      * * *

      WIRF DAS SONNENJAHR, an dem du hängst,

      über den Herzbord

      und rudere zu, hungre dich fort, kopulierend:

      zwei Keimzellen, zwei Metazoen,

      das wart ihr,

      das Unbelebte, die Heimat,

      fordert jetzt Rückkehr –:

      später, wer weiß,

      kommt eins von euch zwein

      gewandelt wieder herauf,

      ein Pantoffeltierchen,

      bewimpert,

      im Wappen.

      * * *

      WEIL DU DEN NOTSCHERBEN FANDST

      in der Wüstung,

      ruhn die Schattenjahrhunderte neben dir aus

      und hören dich denken:

      Vielleicht ist es wahr,

      daß hier der Friede zwei Völker besprach,

      aus Tongefäßen.

      * * *

      ES IST GEKOMMEN DIE ZEIT:

      Die Hirnsichel, blank,

      lungert am Himmel,

      umstrolcht von Gallengestirn,

      die Antimagneten, die Herrscher,

      tönen.

      * * *

      LIPPEN, SCHWELLGEWEBE der Du-Nacht:

      Steilkurvenblicke kommen geklettert,

      machen die Kommissur aus,

      nähn sich hier fest –:

      Zufahrtsverbote, Schwarzmaut.

      Es müßte noch Leuchtkäfer geben.

      * * *

      V

      MÄCHTE, GEWALTEN.

      Dahinter, im Bambus:

      bellende Lepra, symphonisch.

      Vincents verschenktes

      Ohr

      ist am Ziel.

      * * *

      TAGBEWURF: die

      lichtdurchlässige Dorn-

      schläfe

      grapscht sich noch ein

      einziges taufrisches

      Dunkel.

      An der Herzspitze kommt

      eine Muskelfaser

      sinnend zu Tode.

      * * *

      REDEWÄNDE, raumeinwärts –

      eingespult in dich selber,

      grölst du dich durch bis zur Letztwand.

      Die Nebel brennen.

      Die Hitze hängt sich in dich.

      * * *

      VERWAIST im Gewittertrog

      die vier Ellen Erde,

      verschattet des himmlischen

      Schreibers Archiv,

      vermurt Michael,

      verschlickt Gabriel,

      vergoren im Steinblitz

      die Hebe.

      * * *

      BEIDER entnarbte Leiber,

      beider Todesblatt über der Blöße,

      beider entwirklichtes Antlitz.

      An Land gezogen von

      der weißesten Wurzel

      des weißesten

      Baums.

      * * *

      FORTGEWÄLZTER Inzest-Stein.

      Ein Auge, dem Arzt

      aus der Niere geschnitten,

      liest an Hippokrates Statt

      das Meineid-make up.

      Sprengungen, Schlafbomben, Goldgas.

      Ich schwimme, ich schwimme

      * * *

      ALS FARBEN, gehäuft,

      kommen die Wesen wieder, abends, geräuschvoll,

      ein Viertelmonsum

      ohne Schlafstatt,

      ein Prasselgebet

      vor den entbrannten

      Lidlosigkeiten.

      * * *

      DIE RAUCHSCHWALBE stand im Zenith, die Pfeil-

      schwester,

      die Eins der Luft-Uhr

      flog dem Stundenzeiger entgegen,

      tief hinein ins Geläut,

      der Hai

      spie den lebenden Inka aus,

      es war Landnahme-Zeit

      in Menschland,

      alles

      ging um,

      entsiegelt wie wir.

      * * *

      WEISS, weiß, weiß

      wie Gittertünche,

      reihn die Gesetze sich ein

      und marschieren

      einwärts.

      * * *

      UNBEDECKTE. Ganz und gar

      Brüstende du.

      Entflochten der Brodem vor dir,

      im Angesicht aller.

      Keines

      Atem wächst nach, Un-

      umkleidbare.

      Der Steinmützenkönig vorn


      stürzt von der Steineselskruppe,

      die Hände klamm

      vorm tittenbeschrieenen

      Antlitz.

      * * *

      DER SCHWEIGESTOSS gegen dich,

      die Schweigestöße.

      Küstenhaft

      lebst du dich fort

      in den Umschlaghäfen der Zeit,

      in Pistenpaar-Nähe,

      wo die kegelköpfige Eis-Crew

      die Abstellplätze behimmelt.

      * * *

      HAUT MAL

      Unentsühnte,

      Schlafsüchtige,

      von den Göttern Befleckte:

      deine Zunge ist rußig,

     


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