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    The Book of Images

    Page 8
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      der in die Fahnen sprang,

      schlank wie ein Panther, atemlos

      und taumelnd vom Trompetenstoß,

      der lachend mit ihm rang.

      Und manchmal griff der Wind hinab:

      da ging ein Blutender, — ein Knab,

      welcher die Trommel schlug;

      er trug sie immer auf und ab

      und trug sie wie sein Herz ins Grab

      vor seinem toten Zug.

      Da wurde mancher Berg geballt,

      als wär die Erde noch nicht alt

      und baute sich erst auf;

      bald stand das Eisen wie Basalt,

      bald schwankte wie ein Abendwald

      mit breiter steigender Gestalt

      der großbewegte Hauf.

      Es dampfte dumpf die Dunkelheit,

      was dunkelte war nicht die Zeit, —

      und alles wurde grau,

      aber schon fiel ein neues Scheit,

      und wieder ward die Flamme breit

      und festlich angefacht.

      Sie griffen an: in fremder Tracht

      ein Schwarm phantastischer Provinzen;

      wie alles Eisen plötzlich lacht:

      von einem silberlichten Prinzen

      erschimmerte die Abendschlacht.

      Die Fahnen flatterten wie Freuden,

      und Alle hatten königlich

      in ihren Gesten ein Vergeuden, —

      an fernen flammenden Gebäuden

      entzündeten die Sterne sich …

      Und Nacht war. Und die Schlacht trat sachte

      zurück wie ein sehr müdes Meer,

      das viele fremde Tote brachte,

      und alle Toten waren schwer.

      Vorsichtig ging das graue Pferd

      (von großen Fäusten abgewehrt)

      durch Männer, welche fremd verstarben,

      und trat auf flaches, schwarzes Gras.

      Der auf dem grauen Pferde saß,

      sah unten auf den feuchten Farben

      viel Silber wie zerschelltes Glas.

      Sah Eisen welken, Helme trinken

      und Schwerter stehn in Panzernaht,

      sterbende Hände sah er winken

      mit einem Fetzen von Brokat …

      Und sah es nicht.

      Und ritt dem Lärme

      der Feldschlacht nach, als ob er schwärme,

      mit seinen Wangen voller Wärme

      und mit den Augen von Verliebten …

      CHARLES THE TWELFTH OF SWEDEN RIDES IN THE UKRAINE

      Kings in legends are like

      mountains at evening. Dazzle

      those to whom they turn.

      The belt that girds their loins

      and the burdensome mantle

      have cost countries and lives.

      With the richly gloved hands

      goes, slender and naked, the sword.

      * * *

      A young king from the North

      was beaten in the Ukraine.

      He hated springtime and golden hair

      and harps and what they say.

      He rode on a gray horse,

      his eyes gazed grayly

      and had never dreamed of glory

      at any woman’s feet.

      None was to his eyes fair,

      none had ever won from him a kiss;

      and when he grew furious

      he ripped a crescent-shaped tiara

      out of the softest hair.

      And when a sadness overcame him

      he forced a young girl’s will

      and found out whose ring she’d taken

      and to whom she’d offered hers—

      and: hounded her betrothed to death

      with a hundred hunting-dogs.

      And he left his gray country,

      which was devoid of voice,

      and rode into a fierce resistance

      and fought for love of danger

      until the Miracle vanquished him:

      as if dreaming his hand went

      from coat of mail to coat of mail

      and there was no sword in it;

      he had been wakened into gazing:

      the lovely battle stroked and flattered

      at his willfulness.

      He sat on horseback: no gesture

      anywhere around escaped him.

      Now link on link in silver talked,

      and voice was in every object

      and as if in many bell-chimes hung

      the soul of each bright thing.

      And the great wind was different too:

      it sprang into the flags,

      slim like a panther, breathless

      and reeling from the trumpet-blast

      that wrestled with it, laughing all the while.

      And sometimes the wind swooped down:

      there went one bleeding,—a boy

      who beat the rallying-drum;

      endlessly he bore it up and down

      and bore it like his heart into the grave

      before his company of dead.

      There many a mountain was still clenched

      as if the earth were not yet old

      and were just now putting forth its forms;

      now the iron stood fixed like basalt,

      now the mightily moved pile

      swayed like an evening forest

      with vaster, ever-rising shape.

      The darkness steamed, stifling,

      what darkened was not time,—

      and everything was turning gray,

      but suddenly a new log fell,

      and once again the flames fanned out

      and raged for wild delights.

      They all attacked: in strange attire

      a swarm of unreal legions;

      how all things iron laughed out:

      the evening battle glittered

      from some prince in silver mail.

      The flags streamed like joys,

      and everyone had in his gestures

      a royal extravagance,—

      from far-off burning buildings

      the stars caught fire …

      And night fell. And the battle ebbed softly

      back like an exhausted sea

      that carried many unknown dead ashore,

      and all the dead were stone.

      Cautiously the gray horse stepped

      (by great fists fended off)

      through men who died in foreign lands,

      and it trod on flat, black grass.

      He who sat on the gray horse

      saw down below on the wet colors

      endless silver like shattered glass.

      Saw iron wilt, saw helmets drink,

      saw swords rise out of armor-seams,

      dying hands he saw waving

      with some last remnant of brocade …

      And saw it not.

      And pursued on horse

      the echoes of that din as if enraptured,

      with his cheeks hot with passion

      and with the eyes of lovers …

      DER SOHN

      Mein Vater war ein verbannter

      König von überm Meer.

      Ihm kam einmal ein Gesandter:

      sein Mantel war ein Panther,

      und sein Schwert war schwer.

      Mein Vater war wie immer

      ohne Helm und Hermelin;

      es dunkelte das Zimmer

      wie immer arm um ihn.

      Es zitterten seine Hände

      und waren blaß und leer, —

      in bilderlose Wände

      blicklos schaute er.

      Die Mutter ging im Garten

      und wandelte weiß im Grün,

      und wollte den Wind erwarten

      vor dem Abendglühn.

      Ich träumte, sie würde mich rufen,

      aber sie ging allein, —

      ließ mich vom Rande der Stufen

      horchen verhallenden Hufen

      und ins Haus hinein:

      Vater! Der fremde Gesandte…?

      Der reitet wieder im Wind …

      Was wollte der? Er erkannte

      dein blondes Haar, mein Kind.

    &n
    bsp; Vater! Wie war er gekleidet!

      Wie der Mantel von ihm floß!

      Geschmiedet und geschmeidet

      war Schulter, Brust und Roß.

      Er war eine Stimme im Stahle,

      er war ein Mann aus Nacht, —

      aber er hat eine schmale

      Krone mitgebracht.

      Sie klang bei jedem Schritte

      an sein sehr schweres Schwert,

      die Perle in ihrer Mitte

      ist viele Leben wert.

      Vom zornigen Ergreifen

      verbogen ist der Reifen,

      der oft gefallen war:

      es ist eine Kinderkrone, —

      denn Könige sind ohne;

      — gieb sie meinem Haar!

      Ich will sie manchmal tragen

      in Nächten, blaß vor Scham.

      Und will dir, Vater, sagen,

      woher der Gesandte kam.

      Was dort die Dinge gelten,

      ob steinern steht die Stadt,

      oder ob man in Zelten

      mich erwartet hat.

      Mein Vater war ein Gekränkter

      und kannte nur wenig Ruh.

      Er hörte mir mit verhängter

      Stirne nächtelang zu.

      Mir lag im Haar der Ring.

      Und ich sprach ganz nahe und sachte,

      daß die Mutter nicht erwachte, —

      die an dasselbe dachte,

      wenn sie, ganz weiß gelassen,

      vor abendlichen Massen

      durch dunkle Gärten ging.

      … So wurden wir verträumte Geiger,

      die leise aus den Türen treten,

      um auszuschauen, eh sie beten,

      ob nicht ein Nachbar sie belauscht.

      Die erst, wenn alle sich zerstreuten,

      hinter dem letzten Abendläuten,

      die Lieder spielen, hinter denen

      (wie Wald im Wind hinter Fontänen)

      der dunkle Geigenkasten rauscht.

      Denn dann nur sind die Stimmen gut,

      wenn Schweigsamkeiten sie begleiten,

      wenn hinter dem Gespräch der Saiten

      Geräusche bleiben wie von Blut;

      und bang und sinnlos sind die Zeiten,

      wenn hinter ihren Eitelkeiten

      nicht etwas waltet, welches ruht.

      Geduld: es kreist der leise Zeiger,

      und was verheißen ward, wird sein:

      Wir sind die Flüstrer vor dem Schweiger,

      wir sind die Wiesen vor dem Hain;

      in ihnen geht noch dunkles Summen —

      (viel Stimmen sind und doch kein Chor)

      und sie bereiten auf die stummen

      tiefen heiligen Haine vor …

      THE SON

      My father was a banished king

      from across the sea.

      Once an envoy came here:

      his cloak made him a panther,

      and his sword was steel.

      My father was, as he always was,

      without crown and ermine;

      around him the room lost luster

      the way it always did.

      His hands trembled

      and were pale and empty,—

      into walls without pictures

      he blankly gazed.

      My mother walked in the garden

      and wandered all white through the green,

      and felt for stirrings of that wind

      before the evening glow.

      I dreamed that she would call me,

      but she walked alone,—

      let me from the terrace’s edge

      hear fading hoofbeats

      and turn back into the house:

      Father! The foreign messenger…?

      Who rides again in the wind …

      What did he want? He recognized

      your blond hair, my child.

      Father! The clothes he wore!

      The way his cloak flowed from him!

      Gem-studded and iron-sheathed

      were shoulder, breast, and horse!

      He was a voice inside steel,

      he was a man made out of night,—

      but what he brought here

      was a narrow crown.

      It rang with each step

      against his massive sword,

      the pearl in its center

      must have cost many lives.

      From being seized in fits of anger

      that diadem is bent

      which had so often fallen:

      it is a child’s crown,—

      for kings are without one;

      —let my hair have it!

      I will put it on sometimes

      at night, pale with shame.

      And please, Father, tell me,

      where the envoy came from.

      What is it like there,

      is the city walled in stone,

      or in wind-blown tents

      am I awaited?

      My father was an aggrieved one

      who knew little rest.

      He listened to me with darkened

      brow for nights on end.

      The ring lay in my hair.

      And I spoke up close and softly,

      so as not to wake my mother,—

      who thought about the same things

      when she, left all in white,

      before vague shapes of evening

      walked through dark gardens.

      … Thus we became dreamy violinists,

      who softly step out of doors

      to make sure, before they pray,

      that no neighbor eavesdrops on them.

      Who only, when all have scattered,

      behind the last evening sounds,

      play the songs behind which

      (like woods in the wind behind fountains)

      the dark violin-case murmurs.

      For the voices are only any good

      when silences accompany them,

      when behind the speech of the strings

      sounds remain as if from blood;

      and afraid and hollow are those times

      when behind their vanities

      no force presides that is at rest.

      Patience: the gentle clock hand circles,

      and what was promised once, will be:

      We are the whisperers before the silent one,

      we are the meadows before the wood;

      in them a dark humming still runs—

      (there are many voices and yet no choir)

      and they prepare one for the mute, deep,

      ever-present holy groves …

      DIE ZAREN

      Ein Gedicht-Kreis (1899 und 1906)

      I

      Das war in Tagen, da die Berge kamen:

      die Bäume bäumten sich, die noch nicht zahmen,

      und rauschend in die Rüstung stieg der Strom.

      Zwei fremde Pilger riefen einen Namen,

      und aufgewacht aus seinem langen Lahmen

      war Ilija, der Riese von Murom.

      Die alten Eltern brachen in den Äckern

      an Steinen ab und an dem wilden Wuchs;

      da kam der Sohn, ganz groß, von seinen Weckern

      und zwang die Furchen in die Furcht des Pflugs.

      Er hob die Stämme, die wie Streiter standen,

      und lachte ihres wankenden Gewichts,

      und aufgestört wie schwarze Schlangen wanden

      die Wurzeln, welche nur das Dunkel kannten,

      sich in dem breiten Griff des Lichts.

      Es stärkte sich im frühen Tau die Mähre,

      in deren Adern Kraft und Adel schlief;

      sie reifte unter ihres Reiters Schwere,

      ihr Wiehern war wie eine Stimme tief, —

      und beide fühlten, wie das Ungefähre

      sie mit verheißenden Gefahren rief.

      Und reiten, reiten … vielleicht tausend Jahre.

      Wer zählt die Zeit, wenn einmal Einer will.

      (Vielleicht saß er auch tausend Jahre still.)

      Das Wirkliche ist wie das Wunderbare:

      es mißt die Welt mit eigenmächtigen Maßen;

      Jahrtausende s
    ind ihm zu jung.

      Weit schreiten werden, welche lange saßen

      in ihrer tiefen Dämmerung.

      II

      Noch drohen große Vögel allenthalben,

      und Drachen glühn und hüten überall

      der Wälder Wunder und der Schluchten Fall;

      und Knaben wachsen an, und Männer salben

      sich zu dem Kampfe mit der Nachtigall,

      die oben in den Kronen von neun Eichen

      sich lagert wie ein tausendfaches Tier,

      und abends geht ein Schreien ohnegleichen,

      ein schreiendes Bis-an-das-Ende-Reichen,

      und geht die ganze Nacht lang aus von ihr;

      die Frühlingsnacht, die schrecklicher als alles

      und schwerer war und banger zu bestehn:

      ringsum kein Zeichen eines Überfalles

      und dennoch alles voller Übergehn,

      hinwerfend sich und Stück für Stück sich gebend,

      ja jenes Etwas, welches um sich griff,

      anrufend noch, am ganzen Leibe bebend

      und darin untergehend wie ein Schiff.

      Das waren Überstarke, die da blieben,

      von diesem Riesigen nicht aufgerieben,

      das aus den Kehlen wie aus Kratern brach;

      sie dauerten, und alternd nach und nach

      begriffen sie die Bangnis der Aprile,

      und ihre ruhigen Hände hielten viele

      und führten sie durch Furcht und Ungemach

      zu Tagen, da sie froher und gesünder

      die Mauern bauten um die Städtegründer,

      die über allem gut und kundig saßen.

      Und schließlich kamen auf den ersten Straßen

      aus Höhlen und verhaßten Hinterhalten

      die Tiere, die für unerbittlich galten.

      Sie stiegen still aus ihren Übermaßen

      (beschämte und veraltete Gewalten)

      und legten sich gehorsam vor die Alten.

      III

      Seine Diener füttern mit mehr und mehr

      ein Rudel von jenen wilden Gerüchten,

      die auch noch Er sind, alles noch Er.

      Seine Günstlinge flüchten vor ihm her.

      Und seine Frauen flüstern und stiften

      Bünde. Und er hört sie ganz innen

      in ihren Gemächern mit Dienerinnen,

      die sich scheu umsehn, sprechen von Giften.

      Alle Wande sind hohl von Schränken und Fächern,

      Mörder ducken unter den Dächern

      und spielen Mönche mit viel Geschick.

      Und er hat nichts als einen Blick

      dann und wann; als den leisen

      Schritt auf den Treppen die kreisen;

      nichts als das Eisen an seinem Stock.

      Nichts als den dürftigen Büßerrock

      (durch den die Kälte aus den Fliesen

      an ihm hinaufkriecht wie mit Krallen)

      nichts, was er zu rufen wagt,

      nichts als die Angst vor allen diesen,

      nichts als die tägliche Angst vor Allen,

     


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