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    The Book of Images

    Page 3
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    who doesn’t know what even yesterday I was.

      DIE BRAUT

      Ruf mich, Geliebter, ruf mich laut!

      Laß deine Braut nicht so lange am Fenster stehn.

      In den alten Platanenalleen

      wacht der Abend nicht mehr:

      sie sind leer.

      Und kommst du mich nicht in das nächtliche Haus

      mit deiner Stimme verschließen,

      so muß ich mich aus meinen Händen hinaus

      in die Gärten des Dunkelblaus

      ergießen …

      THE BRIDE

      Call to me, love, call to me loudly!

      Don’t let your bride stand so long at the window.

      In the old shaded plane-tree avenues

      the evening no longer wakes:

      they are empty.

      And if you don’t come and lock me up with your voice

      in the deep nocturnal house,

      then I must pour myself out of my hands

      into the gardens of

      dark blue …

      DIE STILLE

      Hörst du, Geliebte, ich hebe die Hände —

      hörst du: es rauscht …

      Welche Gebärde der Einsamen fände

      sich nicht von vielen Dingen belauscht?

      Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider,

      und auch das ist Geräusch bis zu dir.

      Hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder …

      … aber warum bist du nicht hier.

      Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung

      bleibt in der seidenen Stille sichtbar;

      unvernichtbar drückt die geringste Erregung

      in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein.

      Auf meinen Atemzügen heben und senken

      die Sterne sich.

      Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke,

      und ich erkenne die Handgelenke

      entfernter Engel.

      Nur die ich denke: Dich

      seh ich nicht.

      THE SILENCE

      Listen, love, I lift my hands—

      listen: there’s a rustling …

      What gesture of those all alone

      might not be eavesdropped on by many things?

      Listen, love, I close my eyes,

      and even that makes sounds to reach you.

      Listen, love, I open them …

      … but why are you not here?

      The imprint of my smallest motion

      remains visible in the silken silence;

      indestructibly the least excitement

      is stamped into the distance’s taut curtain.

      On my breathing the stars

      rise and set.

      At my lips fragrances come to drink,

      and I recognize the wrists

      of distant angels.

      Only her of whom I think: You

      I cannot see.

      MUSIK

      Was spielst du, Knabe? Durch die Gärten gings

      wie viele Schritte, flüsternde Befehle.

      Was spielst du, Knabe? Siehe deine Seele

      verfing sich in den Stäben der Syrinx.

      Was lockst du sie? Der Klang ist wie ein Kerker,

      darin sie sich versäumt und sich versehnt;

      stark ist dein Leben, doch dein Lied ist stärker,

      an deine Sehnsucht schluchzend angelehnt. —

      Gieb ihr ein Schweigen, daß die Seele leise

      heimkehre in das Flutende und Viele,

      darin sie lebte, wachsend, weit und weise,

      eh du sie zwangst in deine zarten Spiele.

      Wie sie schon matter mit den Flügeln schlägt:

      so wirst du, Träumer, ihren Flug vergeuden,

      daß ihre Schwinge, vom Gesang zersägt,

      sie nicht mehr über meine Mauern trägt,

      wenn ich sie rufen werde zu den Freuden.

      MUSIC

      What do you play, boy? It went through the gardens

      like many footsteps, like whispering commands.

      What do you play, boy? Look, your soul

      got caught in the syrinx’s bars.

      Why do you lure it? The sound is like a prison

      in which it languishes and pines away;

      your life is strong, but your song is stronger,

      sobbingly propped on your desire.—

      Give it a silence, that the soul may lightly

      turn home into the flooding and fullness

      in which it lived, growing, wise and spacious,

      until forced into your tender playing.

      How it already beats its wings more faintly:

      thus will you, dreamer, waste its flight,

      so that its wings, severed by the singing,

      will no longer carry it over my walls

      when I shall call it to the deep delights.

      DIE ENGEL

      Sie haben alle müde Münde

      und helle Seelen ohne Saum.

      Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)

      geht ihnen manchmal durch den Traum.

      Fast gleichen sie einander alle;

      in Gottes Gärten schweigen sie,

      wie viele, viele Intervalle

      in seiner Macht und Melodie.

      Nur wenn sie ihre Flügel breiten,

      sind sie die Wecker eines Winds:

      als ginge Gott mit seinen weiten

      Bildhauerhänden durch die Seiten

      im dunklen Buch des Anbeginns.

      THE ANGELS

      They all have tired mouths

      and bright seamless souls.

      And a longing (as for sin)

      sometimes haunts their dream.

      They are almost all alike;

      in God’s gardens they keep still,

      like many, many intervals

      in his might and melody.

      Only when they spread their wings

      are they wakers of a wind:

      as if God with his broad sculptor-

      hands leafed through the pages

      in the dark book of the beginning.

      DER SCHUTZENGEL

      Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen,

      wenn ich erwachte in der Nacht und rief.

      Nur mit den Armen rief ich, denn dein Namen

      ist wie ein Abgrund, tausend Nächte tief.

      Du bist der Schatten, drin ich still entschlief,

      und jeden Traum ersinnt in mir dein Samen, —

      du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen,

      der dich ergänzt in glänzendem Relief.

      Wie nenn ich dich? Sieh, meine Lippen lahmen.

      Du bist der Anfang, der sich groß ergießt,

      ich bin das langsame und bange Amen,

      das deine Schönheit scheu beschließt.

      Du hast mich oft aus dunklem Ruhn gerissen,

      wenn mir das Schlafen wie ein Grab erschien

      und wie Verlorengehen und Entfliehn, —

      da hobst du mich aus Herzensfinsternissen

      und wolltest mich auf allen Türmen hissen

      wie Scharlachfahnen und wie Draperien.

      Du: der von Wundern redet wie vom Wissen

      und von den Menschen wie von Melodien

      und von den Rosen: von Ereignissen,

      die flammend sich in deinem Blick vollziehn, —

      du Seliger, wann nennst du einmal Ihn,

      aus dessen siebentem und letztem Tage

      noch immer Glanz auf deinem Flügelschlage

      verloren liegt …

      Befiehlst du, daß ich frage?

      THE GUARDIAN ANGEL

      You are the bird whose wings came

      when I wakened in the night and called.

      Only with my arms I called, because your name

      is like a chasm, a thousand nights deep.

      You are the shadows in which I quietly slept,

      and your seed devised in me each dream,—

      you are the image, but I am the frame

      that makes you stand in glittering relief.

      What shall I call you? Look, my lips are lame.

      You are the beginning th
    at gushes forth,

      I am the slow and fearful Amen

      that timidly concludes your beauty.

      You have often snatched me out of dark rest

      when sleep seemed like a grave to me

      and like getting lost and fleeing,—

      then you raised me out of heart-darknesses

      and tried to hoist me onto all towers

      like scarlet flags and bunting.

      You: who talk of miracles as of common knowledge

      and of men and women as of melodies

      and of roses: of events

      that in your eyes blazingly take place,—

      you blessed one, when will you at last name Him

      from whose seventh and last day

      shards of glory can still be found

      on the beating of your wings …

      Do I need to ask?

      MARTYRINNEN

      Martyrin ist sie. Und als harten Falls

      mit einem Ruck

      das Beil durch ihre kurze Jugend ging,

      da legte sich der feine rote Ring

      um ihren Hals, und war der erste Schmuck,

      den sie mit einem fremden Lächeln nahm;

      aber auch den erträgt sie nur mit Scham.

      Und wenn sie schläft, muß ihre junge Schwester

      (die, kindisch noch, sich mit der Wunde schmückt

      von jenem Stein, der ihr die Stirn erdrückt)

      die harten Arme um den Hals ihr halten,

      und oft im Traume fleht die andre: Fester, fester.

      Und da fällt es dem Kinde manchmal ein,

      die Stirne mit dem Bild von jenem Stein

      zu bergen in des sanften Nachtgewandes Falten,

      das von der Schwester Atmen hell sich hebt,

      voll wie ein Segel, das vom Winde lebt.

      Das ist die Stunde, da sie heilig sind,

      die stille Jungfrau und das blasse Kind.

      Da sind sie wieder wie vor allem Leide

      und schlafen arm und haben keinen Ruhm,

      und ihre Seelen sind wie weiße Seide,

      und von derselben Sehnsucht beben beide

      und fürchten sich vor ihrem Heldentum.

      Und du kannst meinen: wenn sie aus den Betten

      aufstünden bei dem nächsten Morgenlichte

      und, mit demselben träumenden Gesichte,

      die Gassen kämen in den kleinen Städten, —

      es bliebe keiner hinter ihnen staunen,

      kein Fenster klirrte an den Häuserreihn,

      und nirgends bei den Frauen ging ein Raunen,

      und keines von den Kindern würde schrein.

      Sie schritten durch die Stille in den Hemden

      (die flachen Falten geben keinen Glanz)

      so fremd, und dennoch keinem zum Befremden,

      so wie zu Festen, aber ohne Kranz.

      MARTYRS

      She is a martyr. And when crashing down

      with a single jolt

      the axe cut through her short youth,

      the fine red ring drew itself

      around her neck, and was the first jewelry,

      which she accepted with a strange smile;

      yet which she also only bashfully will bear.

      And when she sleeps, her young sister

      (who, still a child, is adorned with the wound

      from that stone which crushed her brow)

      has to hold her stiff arms around her neck,

      and often in dream the other pleads: Tighter, tighter.

      And then sometimes the child will think

      to hide her brow with the image of that stone

      in the folds of the fragile nightgown

      that from her sister’s breathing brightly rises,

      full like a sail that lives on wind.

      That is the hour when they are holy,

      the silent virgin and the pale child.

      Then they are again as before all suffering

      and sleep deep sleep and have no glory

      and their souls are as white silk,

      and from the same longing both tremble

      and are frightened by their heroism.

      And you can think: when they’ll arise

      from their beds at the next light of dawn

      and, with the same dreaming faces,

      walk down the small cities’ narrow streets,—

      no one will stand behind them gawking,

      no window will rattle on the housefronts,

      and nowhere will the women be whispering,

      and none of the small children will shout.

      They will step through the stillness in their shirts

      (the shallow folds give off no shining)

      so strange, and yet to no one’s consternation,

      as if to Easter, but with no wreath.

      DIE HEILIGE

      Das Volk war durstig; also ging das eine

      durstlose Mädchen, ging die Steine

      um Wasser flehen für ein ganzes Volk.

      Doch ohne Zeichen blieb der Zweig der Weide,

      und sie ermattete am langen Gehn

      und dachte endlich nur, daß einer leide,

      (ein kranker Knabe, und sie hatten beide

      sich einmal abends ahnend angesehn).

      Da neigte sich die junge Weidenrute

      in ihren Händen dürstend wie ein Tier:

      jetzt ging sie blühend über ihrem Blute,

      und rauschend ging ihr Blut tief unter ihr.

      THE SAINT

      The nation was parched; and so the one

      thirstless girl set out, walked to implore stones

      to provide water for an entire race.

      But the willow branch would give no sign,

      and she grew exhausted from the long walking

      and thought at last only that one suffered

      (a sick boy, and once at evening each

      had gazed at the other with foreboding).

      Then the young willow rod bent down

      in her hands thirsting like a wild beast:

      now she went blossoming over her blood,

      and her blood went rushing deep beneath her.

      KINDHEIT

      Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit

      mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen.

      O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen …

      Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen

      und auf den Plätzen die Fontänen springen

      und in den Gärten wird die Welt so weit —.

      Und durch das alles gehn im kleinen Kleid,

      ganz anders als die andern gehn und gingen —:

      O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen,

      o Einsamkeit.

      Und in das alles fern hinauszuschauen:

      Manner und Frauen; Männer, Männer, Frauen

      und Kinder, welche anders sind und bunt;

      und da ein Haus und dann und wann ein Hund

      und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen —:

      O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen,

      o Tiefe ohne Grund.

      Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen

      in einem Garten, welcher sanft verblaßt,

      und manchmal die Erwachsenen zu streifen,

      blind und verwildert in des Haschens Hast,

      aber am Abend still, mit kleinen steifen

      Schritten nachhaus zu gehn, fest angefaßt —:

      O immer mehr entweichendes Begreifen,

      o Angst, o Last.

      Und stundenlang am großen grauen Teiche

      mit einem kleinen Segelschiff zu knien;

      es zu vergessen, weil noch andre, gleiche

      und schönere Segel durch die Ringe ziehn,

      und denken müssen an das kleine bleiche

      Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien —:

      O Kindheit, o entgleitende Vergleiche.

      Wohin? Wohin?

      CHILDHOOD

      School’s long anxiety and time slips past

      with waiting, with endless dreary things.

      O solitude, O heavy spendi
    ng on and on of time …

      And then outside: the streets flash and ring

      and on the squares the fountains leap

      and in the gardens all the world grows wide.—

      And to go through it in one’s small suit,

      so unlike how the others go and used to go—:

      O wondrous time, O spending on and on of time,

      O solitude.

      And to look far off into it all:

      men and women; men, more men, women

      and then children, who are different and bright;

      and here a house and now and then a dog

      and soundless terror changing back and forth with trust—:

      O sadness without reason, O dream, O dread,

      O depth without ground.

      And so to play: ball and ring and hoops

      in a garden that keeps softly fading,

      and to brush sometimes against the grownups

      blindly and wildly in the haste of tag,

      but at evening quietly, with small stiff

      steps to walk back home, your hand firmly held—:

      O ever more escaping grasp of things,

      O weight, O fear.

      And for hours at the huge gray pond

      to kneel entranced with a small sailboat;

      to forget it, because yet other, similar

      and more beautiful sails glide through the circles,

      and to have to think about the small pale

      face that sinking gazed out of the pond—:

      O childhood, O likeness gliding off …

      To where? To where?

      AUS EINER KINDHEIT

      Das Dunkeln war wie Reichtum in dem Raume,

      darin der Knabe, sehr verheimlicht, saß.

      Und als die Mutter eintrat wie im Traume,

      erzitterte im stillen Schrank ein Glas.

      Sie fühlte, wie das Zimmer sie verriet,

      und küßte ihren Knaben: Bist du hier?…

      Dann schauten beide bang nach dem Klavier,

      denn manchen Abend hatte sie ein Lied,

      darin das Kind sich seltsam tief verfing.

      Es saß sehr still. Sein großes Schauen hing

      an ihrer Hand, die ganz gebeugt vom Ringe,

      als ob sie schwer in Schneewehn ginge,

      über die weißen Tasten ging.

      FROM A CHILDHOOD

      The darkening was like treasures in the room

      in which the boy, so deeply hidden, sat.

     


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